Aus dem Tagebuch eines Archäologen VI

Fortsetzung der Serie namens „Aus dem Tagebuch eines Archäologen”, die einen Einblick gewährt in jene archäologischen Abenteuer, mit denen nicht einmal Indiana Jones konfrontiert ist:

Wie man sich durch den Dschungel schlägt oder Bürokratie-Survivor (Wien, Herbst 2015)

Und wieder eine aufregende Geschichte aus dem wahren Leben einer Archäologin, diesmal im Rahmen der positiv abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagne.
Um Bilder in meiner Publikation „Kinderdarstellungen in der Spätantike und im frühen Christentum“ verwenden zu dürfen, muss ich die Bilder und Bildrechte dazu erwerben. Neulich hatte ich dazu Kontakt mit der Bibliotheque National (Paris):

In der Datenbank habe ich nach viel Herumgesuche tatsächlich jenes Bild gefunden, das ich für meine Publikation brauche. Dann hatte ich mit ein paar netten Menschen Kontakt, die mir gesagt haben, wie viel das Bild kosten wird, nämlich 25 Euro.
Im Vergleich zu den Preisen, die mir schon angetragen wurden ja quasi ein „Schnäppchen“, also wollte ich es bestellen. Daraufhin habe ich erfahren, das geht ganz einfach online. Gelesen, getan.
Ich habe das Bild in meinen virtuellen Einkaufswagen gelegt, ging zum Bezahlvorgang, Programmabsturz.  Also hingemailt und gefragt, ob meine Bestellung jetzt eingegangen ist oder ob ich das Bild nochmals bestellen muss – nicht, dass ich zweimal bezahlen muss! Nach ein paar Tagen kommt ein Mail, nein, es wäre keine Bestellung eingegangen und ihnen ist schon aufgefallen, dass die Homepage neulich defekt war.
Wenn ich das Bild noch möchte, kann ich das online machen – hahaha – oder ich fülle das beiliegende Formular aus. Nochmals per Homepage probiert, aber mein Bild trotz Inventarnummer nicht mehr gefunden. Da ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe es ganz „oldschool“ mittels Formular per Mail bestellt.
Nach einigen Tagen bekomme ich ein Mail, man hätte für mich einen Account angelegt, da ist mein Bild schon im Einkaufswagen, ich brauche „nur“ mehr zu bezahlen. Gut, denke ich, die Sache ist in ein paar Minuten erledigt, das mach ich noch schnell vorm Schlafengehen….
Also eingeloggt, Bezahlvorgang angestrebt und – ja raten Sie lieber Leser – vor einem Formular gestanden. Das müsse ich ausfüllen, denn ich wolle das Bild ja verwenden – welche Überraschung, wozu bestellt man denn sonst ein Bild? Unnötig hier nochmals zu erwähnen, dass es sich freilich um dasselbe Formular gehandelt hat, das ich schon ausgefüllt per Mail zugesandt hatte. Also nochmals ausgefüllt. Daraufhin kam die Info, gut, das Bild kostet 25 Euro, aber die Verwendung zusätzlich 60 Euro. Weil es sich aber um eine wissenschaftliche Publikation handelt gibt es einen Sonderrabatt und die Gebühr reduziert sich somit auf 18 Euro. Grmpf, na gut, also 43 Euro insgesamt. Diese bezahle ich online und schwups, schon habe ich das Bild im Ordner und kann es herunterladen. Einige Tage später bekomme ich ein Mail, in welchem man mir für meine Anfrage zur Bildverwendung dankt, die übrigens 60 Euro kostet, und ich soll mich einloggen und online ein Formular ausfüllen – tschutschu, Passagierschein A38 lässt grüßen!!!
Vollkommen entnervt ob der Mail-Standleitung, die mittlerweile zwischen meinem Account und der Bibliotheque National herrscht, schreibe ich zurück, dass ich mich nun gar nicht mehr auskenne und um Klärung bitte. Eine halbe Stunde später erhalte ich ein Standard-Mail von anderer Stelle der Bibliotheque National: „Vielen Dank, dass Sie unser Online-Service genutzt haben. Da wir uns stetig verbessern möchten, nehmen Sie doch an der Umfrage teil und sagen uns wie sehr Sie mit unserem Service zufrieden sind.“ Prust, der Witz des Jahres!


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